Tausend Leben

Mädchen:
Und wenn ich tausend Leben hätte, Eines wäre gleich.
Seien meine Eltern Arbeiter, Studierte oder reich.
Es sind doch die Gesellschaft und mein eig’ner Körperbau
Zwingen mich in eine Rolle – und das ist die der Frau.

Seit ich ein kleines Mädchen war, weiß ich, wie es geht:
Wie ein Mädchen lächelt, weint und die Welt versteht.
Was ein Mädchen sein will, was ein Mädchen kann,
Mädchen sind immer leise, subtil und elegant.
Besser in der Schule, dabei stets bescheiden,
Denn ein gutes Mädchen hat Konflikte zu vermeiden.

Ein Mädchen, das muss schön sein, und zwar mit allen Mitteln:
Crash-Diät, shoppen gehen, Cremes gegen Pickel
Mehr Klamotten, mehr Schuhe, Gesicht konturieren,
zuspachteln, Lächeln malen, immer konkurrieren.

Junge:
Und wenn ich tausend Leben hätte, Eines wäre gleich.
Seien meine Eltern Arbeiter, Studierte oder reich.
Es ist vorbestimmt, was ich darf und was ich kann,
Denn mein Umfeld und mein Körper sagen mir, ich bin ein Mann.

Seit ich ein kleiner Junge bin, weiß ich, wie es geht:
Wie ein Junge spielt, sich ärgert oder sich bewegt.
Woran ein Junge denkt und worauf ein Junge hofft,
Jungen schlagen keine Mädchen, über die Stränge dafür oft.
Ein Junge macht den ersten Schritt und gibt dem Mädchen einen aus,
Jungs machen Karriere, denn sie wollen hoch hinaus.

Ein Junge, der muss Stärke zeigen, um seinen Mann zu stehen.
Jungs darf man nicht weinen, tanzen, dichten oder sticken sehen.
Jungs kann man mit Autos, Wissenschaft und Technik locken,
In ihrer freien Zeit wollen sie Fußball spielen und zocken.

Beide:
Und wir können oft nicht anders, als diese Rollen auszuleben,
Ist es uns doch allen schon von klein auf vorgegeben.
Durch Lektionen unseres Umfelds, größtenteils unbewusst,
Lernen wir, was ein Geschlecht tun und lassen muss.

Doch wir haben nur EIN Leben, um es zu gestalten.
In dem wollen wir wir selbst sein und uns frei entfalten.
Kommt, wir machen heut‘ zusammen die Tabus zunichte –
Klassische Geschlechterrollen sind ab jetzt Geschichte!

Schreibe einen Kommentar