Ich bin Mut
(Wagemut kommt)
W (ausgelassen gestikulierend): Zum Wagemut, der ich bin, lässt sich ein’ges Großes sagen:
Aus mir werden Mythen, Sagen und ein jedes Kind kann’s haben,
Dass sie, wie sie sind, aus meiner Kraft den Mute schöpfen,
Um allein in eignen Köpfen das zu schaffen, was sie sind,
Wenn sie in den spät‘ren Sagen handeln, wie sie’s schworn zu wagen!
(Ab. De-/Anmut kommt)
D/A (aufrecht, sicher): Den Selbstwert deutlich definieren,
Ordnungstreu Respekt vergeben,
Das ist An- und Demuts Streben –
So viel sei hier festgestellt.
Bescheidenheit zu praktizieren,
Ohne Rückhalt zu riskieren,
Denn, will ich’s so formulieren,
Kannst du Rückgrat nie verlieren,
Wenn’s dir niemand festhält.
Ruhelos und rastlos redend
Findest du den Mute nicht.
Doch ist es letztlich kein Verzicht,
Wenn so gänzlich unabhängig
Ich bin längst mir selbst genug –
Ich wünsche dir, dies ist dein Mut. (Kurze Pause)
Und, so sei gesagt, ist weder An- noch De- gewagt.
(Ab. Weh-/Schwermut kommt)
W/S (sanft, leise:) Ist dir weh und schwer zumute,
Bin ich es gewesen.
Frieren Zweifel, Zorn und Mut,
Wärm’ ich dir die Tränen,
Dass sich tränkt das Herz in Blute
Und will weiterleben. (Kurze Pause)
Vielleicht wird dir‘s so leicht zumut’.
(Ab. Hochmut & Übermut kommen)
H: Ich darf bei keinem Treffen fehlen. (Pause)
Verzeih, will ich die Lichter stehlen;
Hochmut braucht die Bühnenflut.
Ü: Und dennoch ist kein Lob genug,
Geschweige denn die Bühne hoch!
H: Der Übermut, der übernimmt sich,
Seht ihn an, so klein und winzig –
Ü: (Gereizt:) Soll ich denn nun auch beginnen? (Pause, wartend)
Gemeinsam wollten wir gewinnen.
Ich bin Übermut und ‘über’
Steht für Überflieger, klüger
Bin ich mehr noch als manch Andrer –
H: Wer ist bloß damit gemeint?
Denn sind wir hier als eins, vereint,
So bin ich sicherlich kein Andrer –
Wenig bin ich nicht bewandert!
(Freimut kommt)
Ü: Ach, du bist dir nicht genug
Und sicherlich noch selbst zu viel!
Sprech‘ ich einmal von mir selbst,
Da glaubst du wieder foules Spiel
Und denkst an dich bloß nicht zuletzt.
H (leiser): Einsam wolltest du gewinnen.
Ü: Kann denn einer derart spinnen?
F: Reicht jetzt auch mit Zweisamkeit
In noch so eitler Einsamkeit!
(Ü&H erzürnt gestikulierend ab)
F (gefasst): Vom Freimut will in diesen Tagen
Jeder noch ein Worte sprechen.
Freimütig, das ist, wer Fragen
und Verantwortung ertragen
Für den freien Mut verspreche. (Kurze Pause)
Immerzu und immerfort
Versprach ich für dich fortzuwähren –
Immer noch will ich dies ehren,
Niemals Freimut zu verlernen. (Kurze Pause. Sanfter:)
Vom Freimut will in diesen Tagen
Wen’ger noch ein Worte hören.
Freimut, das ist nicht bloß Fragen
Und Verantwortung ertragen –
Sag mir, wenn wir einst verlören,
Nicht bloß auf uns selbst zu hören,
Wär die Freiheit respektiert?
Freimut bin nicht ich, sind wir.
Denn sprech‘ ich zu viel von mir selbst
Verdräng‘ ich redend, was dich hält
Und ohne Ausgleich kann nie frei
Und immergleich der Freimut sein. (Kurze Pause. Langsam:)
Drum will ich allen garantiern:
Die Freimüter, das seid auch ihr.
(Ab. Helmut kommt unsicher zurückblickend)
HE (zögerlich, nach vorne lehnend): Ich glaub, ich kam zum falschen Treffen,
Wollte um den Fußball wetten –
Äh, (Kurze Pause) find’ das Ganze aber gut,
(Kurze Pause, nickt) Ich bin Helmut.