Angst vor dem Ungewissen

Da war es wieder!
Silas spürt wie ihn ein unwohles Gefühl im Bauch übermannt – ein stechender Bauchschmerz. Mama will ihm nicht glauben, aber es ist da – es ist wirklich da. Das Monster unter seinem Bett erscheint jede Nacht. Er sieht seinen Schatten, spürt seine Anwesenheit. Wenn er ganz leise ist, hört er sogar seinen Atem. Er versteckt sich wieder unter seiner kuscheligen Dinosaurier-Bettdecke, die ihm Oma zu seinem Geburtstag schenkte.
Einbildung? Quatsch! Es fühlt sich doch so echt an. Immer wenn er nach Mama ruft, damit sie ihn rettet, versteckt sich das Monster. Mama ist nämlich groß und stark. Aber er? Er war doch erst 5. Er ging Mama gerade mal bis zu den Hüften und von starken Muskeln, wie er sie immer in den Filmen sieht, kann gar nicht die Rede sein.
Krumpel, so nannte Silas das Monster, wirkt auch stark – stark wie mindestens 2 Gorillas. Er schwört sogar, er hatte ein Mal Krumpels gelbe Augen in der Nacht gesehen, aber Mama sagt, das sind nur die Laternen, die in sein Zimmer scheinen. Warum glaubt ihm nur niemand?
DA! Das ist er. Krumpels Atem. Er hört sich so schwer und böse an. Silas Herz wurde ganz schnell und er begann zu schwitzen.
“MAMAAA” rief er.
Erst nichts. Nur die Dunkelheit, Krumpels dunkler Atem und er, eingewickelt in die Wärme Bettwäsche. Dann aber ging das Flurlicht an und Silas’ Mama kam besorgt in sein Zimmer.
“Was ist denn los, mein Schatz?” fragte sie verschlafen, während sie sich auf sein Bett setzte. Silas kuschelte sich auf ihren Schoß. Ihr warmer Körper und flauschiger Schlafanzug beruhigt ihn immer.
“Er ist wieder da. Ich habe ihn gesehen und gehört. Die gelben Augen und sein Atem. Mama ich habe solche Angst”
“Ach, Silas. Das waren nur wieder die Laternen”
“Aber der Ate-”
“Und das war der Wind. Mein Schatz, es gibt keine Monster.”
“Doch, Mama. Er war da, so riesengroß und gruselig”
“Soll ich mal nachschauen?” fragte seine Mama ihn.
“Bei dir rennt er immer weg. Du bist so stark, viel stärker als er und ich zusammen!”
“Weißt du was? Er mag vielleicht stark sein. Aber er wird niemals so mutig sein wie du, niemals! Du hast Krumpel schon so oft gesehen und trotzdem schläfst du weiter in deinem Zimmer, weil du ein mutiger Junge bist!” flüsterte seine Mama, während sie ihm über den Kopf streichelte.
“Glaubst du wirklich, Mama?” Er schaute sie mit großen Augen an.
“Natürlich, mein Schatz. Niemand ist so mutig wie du! Vor allem kein Monster, das sich nur nachts raus traut! Nun geh schlafen. Auch mutige Kinder brauchen Schlaf”
Silas legte sich wieder ins Bett und seine Mama deckte ihn zu.
“Gute Nacht, meine Maus” flüsterte seine Mama und verließ Silas’ Raum.
Jetzt füllte Dunkelheit wieder seinen Zimmer, nur die Laternen spendeten Licht.
“Ich bin mutiger, als er es ist. Ich muss keine Angst haben. Ich bin stärker” sagte Silas zu sich selber, immer und immer wieder, bis seine Augen schwer wurden. Er schlief ein.
Am nächsten Morgen wachte Silas auf. So gut hatte er lange nicht mehr geschlafen. Er war so stolz auf sich, dass er es alleine geschafft hatte – er ist ganz ohne Mama eingeschlafen! Danach besuchte ihn Krumpel nur noch ganz selten. Wenn das passierte, schloss er die Augen und sagte immer wieder zu sich selber “Ich bin mutiger, als er es ist. Ich muss keine Angst haben. ICH bin STÄRKER”. Wenn er seine Augen dann öffnete, war da nur noch sein dunkler Jackenständer, die Lichter der Laternen und das Pfeifen vom Wind…

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