Gespräch im Zug

Figuren:
Frau C
Herr T
Herr J
Schaffner

Handlungsort: Zugabteil

(Zwei Menschen stehen mit dem Rücken zueinander. Sie sind eintönig gekleidet.
Sie blicken beide angestrengt nach vorne, durch das Zugfenster. Sie ruckeln, denn der Zug ruckelt. Frau C, die auf der rechten Seite steht, wirkt verträumt. Herr T, zu ihrer Linken, scheint über etwas nachzudenken.)

Herr T: (spricht unverhofft ins Leere) Schwaben ist eine schöne Region.

Frau C: (dreht sich zu ihm) Wir sind im Erzgebirge.

(Sie stehen einander nun gegenüber.)

Herr T: Toll, so eine Zugfahrt, nicht wahr? Fahren sie oft mit der Bahn?

Frau C: Dann und wann.

Herr T: Wie heißen sie, wenn ich fragen darf?

Frau C: (macht einen Knicks) C.

Herr T: (skeptisch) C? Das ist aber ein ungewöhnlicher Name. Sind sie Ausländerin?

Frau C (verwundert): Ich weiß nicht, sie?

Herr T (empört): Nein! Ich heiße Herr T.

(Sie schweigen einen Moment. Frau C wirkt wieder verträumt und Herr T scheint wieder nachzudenken.)

Herr T: Schwaben ist auf jeden Fall eine schöne Gegend.

Frau C: Wenn sie in Halberstadt zusteigen, bekommen sie an Sonn- und Feiertagen einen Diskont.

Herr T: Ach? Sie kennen sich ja geographisch gut aus.

Frau C: Ich war im vorherigen Leben einer der Bauarbeiter, die hier auf der Strecke die Gleise verlegt haben.

Herr T: Mein Schwager hat in Halberstadt drei Jahre in der Kreisliga gespielt. Ich besuche ihn übers Wochenende.

Frau T: Ach? Ich fahre zu meiner Tante nach Bremen.

(Schweigen.)

Herr T: Sind sie nun Ausländerin?

Frau C: Wie bitte?

Herr T: (lauter) Ob sie Ausländerin sind.

Frau C: (schüttelt seufzend den Kopf) Das Gespräch mit ihnen ist mir unangenehm und ich möchte es nicht weiterführen.

(Herr J tippt Frau C auf die Schulter. Er hatte die meiste Zeit in der Nähe gestanden.)

Herr J: Entschuldigen sie, ich habe ihr Gespräch überhört und muss Ihnen ganz Recht geben, gnädige Frau. Außerdem finde ich, dass C ein sehr schöner Name ist.

Frau C: Vielen Dank. Das ist sehr nett von Ihnen.

Herr J: Ich bin übrigens Herr J.

Frau C: Sehr erfreut.

(Ein Zugschaffner kommt mit bimmelnder Glocke.)

Schaffner: Die Fahrkarten, bitte! Die Fahrkarten, bitte!

(Frau C und Herr J holen ihre Karten hervor. Herr T kramt in seiner Tasche.)

Herr T: Nanu, wo ist denn meine Karte?

Schaffner: Kommen sie bitte mit.

(Herr T wird vom Schaffner weggeführt.)

Herr T: Das wird noch ein Nachspiel haben!

(Frau C und Herr J winken ihm hinterher)

Frau C: (lächelnd) Jetzt habe ich endlich einen Eckplatz.

Schreibe einen Kommentar