Das Wesen hinter mir

(Hannes, ein sechzehnjähriger Junge, liegt gerade im Bett)
Hannes: Was ist das nur, das Wesen hinter mir. Ständig missfällt ihm meine Lebensweise. Immer sitzt es mir im Nacken.
Wesen: Schau nach vorn, das hinter dir braucht dich nicht zu kümmern.
Hannes: Komm doch vor, dann spielen wir. Du brauchst dich nicht zu fürchten.
Wesen: Ich will nicht. (kurze Pause) Ich kann nicht, die von dir mir auferlegten Ketten hindern mich.
Hannes: Keine Ketten, du bist schon lange frei. Renn weg, keiner wird dich hindern.
Wesen: Ich will nicht, ich kann nicht. Mein Leben fing auf deinen Schultern sitzend an. Seither bin ich nun hier. Ich könnte niemals gehen, der Weg selbst wäre mir ganz fremd.
Hannes: Dann lass dich führen, weg von mir. Wirst sehen, gibt’s viel Schön’res hier. Meine Schultern werden dich schon längst ermüden.
Wesen: Deine Schultern, meine Schultern. Schön sind sie. Sie boten mir Schutz, wieso sollte ich diesen verlassen? Wäre dumm, nicht wahr? Wenn ich keinen Schirm mehr fände, dann wäre ich ganz schön in Bedrängnis. Alles was ich brauche, das gibst du mir.
Hannes: Dumm ist deine Einstellung vielmehr. Komm mit, ich zeig dir was.
(Hannes zieht die Fenstervorhänge auf)
Hannes: All die Sterne dort einst suchten einen Platz am Firmament. Doch gefunden haben alle einen. Auch du wirst dies, so glaube mir. Musst nur suchen, ohne mich. Deinen Platz du finden wirst. Auch ich den meinen für mich selbst noch finden muss. Doch ohne dich, ist’s ja mein Platz, mein. So ist auch der deine dein. Er wird dich schützen, auf ewig, dein Leben lang.
(Wesen flattert auf, sieht Hannes eifrig an, und verschwindet in den Himmel)

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