Euphorie und Ernüchterung

(Ein Junge steht vor einem Spiegel und geht durch ihn hindurch. Er findet sich selbst in einem Wald wieder.)

BAUM Mein Junge, was suchst du hier?

JUNGE Was ist los? Hast du etwa zu mir gesprochen, Baum?

BAUM Wer sonst sollte zu dir sprechen?

JUNGE Also können hier selbst Bäume reden… Nun, ich wollte eigentlich nur wissen, wo ich mich befinde.

BLUME Schaut euch diesen Jungen an! Wie dumm er ist, dass er nichtmal weiß, wo er ist.

JUNGE Das war total anders, als ich in der Unterwasserwelt war…

BAUM Mein Junge, du kannst hier alles tun, was du willst. Sprich mit den kleinen Dingen und Wesen, schau dir alles an, du kannst sogar fliegen, wenn du willst!

JUNGE (aufgeregt) Echt, ich kann fliegen? Ich wollte schon immer mal fliegen, aber die Flüge waren einfach zu teuer für meine Ma und mich….

BAUM Kleiner Junge, klettere einfach auf mich drauf, spring vom höchsten Ast und glaube daran, dass du fliegen kannst. 

(Der Junge zögert, doch dann entschließt er sich, es auszuprobieren. Er klettert hoch hinauf und springt vom Baum.)

JUNGE Ich bin endlich frei!

(Dunkel. Das Licht geht wieder an. Der Junge liegt in einem Bett. Neben dem Bett steht eine Frau, weinend. Ein Polizist und ein Arzt kommen auf die Bühne.) 

ARZT Die arme Frau. Sie hat wohl niemals erwartet, dass ihr kleiner Sohn eines Tages leblos neben einem Baum liegen würde.

POLIZIST (seufzt) Aber das war doch nicht das erste Mal, dass er halbtot aufgefunden wurde. Letzte Woche wäre der Junge beinahe in einem Fluss ertrunken. Am Ufer haben wir eine leere Flasche gefunden. Es war ein Leichtes, herauszufinden, was da für eine Substanz drin gewesen ist. Und rate mal, wer ihm das Zeug vertickt hat? Derselbe Dealer, der hier überall überteuerte Halluzinogene verkauft! Tja, was willst du machen? Solche Fälle wie ihn gibt es immer wieder, das ist nichts Neues. Das ist einfach Realität. 

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