Weiße Weisheit

(Mädchen sitzt zitternd im Schnee, leicht bekleidet)
Schneeflocke: was tust du hier im tosenden Sturm meiner Millionen kalten Kumpanen?
Mädchen: Sag du es. Warum dreht sich diese Welt mit mir? Kann sie nicht meine sterblichen Gebeine aus ihrer Umlaufbahn kicken?
Schneeflocke: Der Sinn der menschlichen Existenz ist unergründbar. Lebewesen deiner Gattung mit selbsternannten Diplomen, Titeln und durch ihrer gleichen Ausgebildete suchen es mit Belegen darzustellen; doch eigentlich musst du es selbst erfinden.
Mädchen: Ich bin es satt. Mein jämmerlicher Appetit auf das Leben ist gestillt. Zum Erfinden meiner selbst ruht weder Kreativität noch Wagemut in mir.
Schneeflocke: Sachte, sachte. Welcher Dieb deines Herzens ist verantwortlich für die Negativität deiner Gedanken?
Mädchen: Die Gesellschaft. Ungeschriebene Regeln der Perfektion für äußerliche sowie die tief sitzenden inneren Werte. Ich entspreche nicht den irrealen Vorstellungen dieser Welt; breche heraus aus allen Normen und falle durch jedes Raster. Ich bin nicht Das, was man sich wünscht.
Schneeflocke: Du bist zu gut für sie. Dein in tausend Splitter zertrümmertes Herz besitzt auch jetzt noch viel mehr Gutes, als diese menschlichen Roboter, kontrolliert durch selbst erlegte Zwänge. Merke dir immer, wie kostbar du bist mit all deinen gehassten Makeln. Ein Jeder macht dich zu einem unfassbar besonderen Individuum. Benutze dein schlaues Köpfchen in Zukunft für Gedanken solchen Charakters!
Mädchen: Warum so weise unterwegs kleiner Freund? Ruht unter deiner flauschig kalten Hülle etwa das Gehirn der Mächtigen?
Schneeflocke: Du weißt nie, was hinter der äußerlichen symbolischen Hülle steckt. Ich bin nur gefrorenes Wasser, was demnächst zum altbekannten durchsichtigen Nass mutiert. Aber meine Seele mit ihrer Weisheit reicht genauso weit wie die Deine. Hinter den nach Außen sichtbaren Mauer verbergen sich oftmals Schätze, genauso wie sich hinter Deinen ein liebenswerter Mensch verbirgt. Schätze diesen Menschen und du wirst Genugtuung erlangen
Mädchen (steht auf, wendet sich an die menschenleere Umgebung): Wirklichkeit übertrumpft die Gegenwart. Sieh her Welt und lerne!

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