App-Geflüster

Facebook, Instagram, OnlyFans, Snapchat und Twitter sitzen in einem Stuhlkreis.

Facebook: Willkommen, OnlyFans. Wir freuen uns, dich in unserer Mitte begrüßen zu können.

(Alle klatschen. Twitter wirkt dabei lustlos.)

OnlyFans: Freut mich ebenfalls, bei euch zu sein. Ich verfolge eure Arbeit ja schon seit Längerem. Ständig werden wir ja miteinander verlinkt oder im selben Satz genannt, wenn es um Social Media geht. Sei es in Kommentarspalten, Video-Essays oder Blogs. Da dachte ich mir, lerne ich die doch mal ein bisschen genauer kennen.

Twitter (die Augen verdrehend): Kann ich mir gut vorstellen.

OnlyFans: Wie bitte?

Instagram: Ach, ignorier ihn. Der ist ein echter Neider, der Angst um seine Relevanz im öffentlichen Diskurs hat. Nichts währt ja ewig.

Snapchat: Ja, der nervt echt manchmal. Aber es gibt ja immer die Deaktivierungsfunktion, wenn es einem zu viel wird, ne?

Twitter (grinsend): Die nutzt bei dir sicher niemand mehr.

Snapchat: Ach, warum plötzlich so nett?

Twitter: Das war kein Kompliment. Dass du noch hier in der Runde sitzt, wundert mich ehrlich gesagt jedes Mal aufs Neue. Lädt dich überhaupt noch jemand im Play- oder App-Store herunter, Snapchat? Hat Insta nicht gefühlt jeden deiner Filter übernommen?

Snapchat: Stimmt doch gar nicht! Ich werde noch von vielen Leuten genutzt!

Twitter: Sicher, vor allem von U18-Leuten. Wie sollte Jessica aus der 7a auch ohne ihren Hundefilter den Tag überstehen?

OnlyFans: Bitte streitet euch doch nicht.

Twitter: Warum nicht?

(Twitter lehnt sich selbstzufrieden in seinen Stuhl zurück.)

Twitter: Was hat mir so eine Sex-App eigentlich zu sagen? Vielleicht solltest du dich lieber zu Tinder, Grindr, Bumble und Gay Romeo in den Sitzkreis morgen gesellen. Passt vielleicht besser.

Facebook: Also bitte …

(Instagram lässt die Augenbrauen in die Höhe wandern.)

Instagram: Du bist mal wieder in Zwitscherlaune, du vorlautes Vögelchen. Aluhut-Content geht bei dir wohl wieder durch die Decke und anders lässt sich das nicht bewältigen, hm? #dummdreistequasselstrippe

Twitter: Ach, sei doch ruhig, sonst starte ich eine #instagramisoverparty. Mal sehen, wer sich dann die Influencenden unter den Nagel reißt. Auf äußeren Schein und wenig Sein kann ich auch setzen.

Instagram: Und ich kann auch canceln, schon vergessen? Und hab dazu auch noch Features, die über geistige Meisterleistungen wie ,,Gerade bin ich durch die Tür gegangen. Jetzt tue ich es wieder”-Beiträge hinausgehen, Boomer-Boy. #maximalekreativitätistbeidirmangelware #undbeidirgibtesgenausoschmuddelcontentdudoppelmoralischesstücknullenundeinsen

Twitter: Ziemlich ,,Pick me” von dir. Muss ich mich gleich auf woken Shit einstellen, oder wird das von YouTube erledigen?

(Facebook holt erschöpft Luft.)

Facebook: Wie auch immer. Jedenfalls würde ich für die weitere Sitzung vorschlagen, dass …

Twitter: … wir anstatt wissenschaftlicher Artikel Beiträge irgendwelcher Möchtegern-Expert*innen, die sich bei dir im U50-Format tummeln, zur Argumentationsführung verwenden?

(Instagram verdreht die Augen, Snapchat schnauft genervt, Facebook ist am Ende seiner Geduld angelangt und Twitter lächelt belustigt. OnlyFans schaut fragend in die Runde.)

OnlyFans: Läuft bei euch jedes Treffen so ab?

Alle anderen (gleichzeitig): So in etwa, ja.

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