Die Künstler

Die Welt des Mensch war trist. Alles war schwarz und weiß. Bäume, Blumen und sogar die Vögel am Himmel, unterschieden sich nur in ihren Grautönen.
Wie schon gestern, vorgestern und auch den Tag davor machte sich der Mensch auf den Weg zur Arbeit.
Jeden Tag derselbe Ablauf. Der Mensch stand auf, frühstückte, ging zur Arbeit, kam nach Hause und aß sein Abendessen, bevor er in einen tiefen Schlaf fiel. Am nächsten Tag begann der Ablauf von neuem. Ein ewiger Kreislauf.
Doch heute traf der Mensch auf dem Heimweg auf drei Gestalten. Sie hielten ihn an und begannen ihm zu erzählen das sie in seine Welt gekommen waren, um diese zu verschönern. Und so stellten sich die drei Gestalten vor.

1.Gestalt: Kunst ist mein Name. Ich forme Skulpturen mit meinen Händen, zeichne Figuren und lasse mit meinem Talent Bilder zum Leben erwachen. Emotionen können mit meinen Farben zum Ausdruck gebracht werden. Gelb für die Freude. So strahlend hell und warm wie die Sonne. Blau für das Vertrauen in einen guten Freund. So weit wie der Himmel und so tief wie der glitzernde Ozean.

Gebannt lauschte der Mensch als Kunst redete und um ihn herum begann die Welt eben diese Farben anzunehmen, von denen Kunst sprach. Der Himmel färbte sich blau und bunte Vögel zogen vorbei. Sie landeten auf den Bäumen, die inzwischen keine Grautöne mehr aufwiesen, sondern in verschiedenen Grüntönen strahlten.
Die zweite Gestalt begann zu sprechen.

2.Gestalt: Ich bin die Musik. Auch ich kann deine Gefühle mit meinem Talent widerspiegeln. Musikinstrumente, ein gewöhnlicher Gegenstand auf dem ein Rhythmus erzeugt wird, das Wispern des Windes, die Rufe eines Vogels oder sogar deine eigene Stimme. Sie alle sind Hilfsmittel, um mein Talent mit dieser Welt zu teilen. Ein schnelles Crescendo auf dem Klavier zur Darstellung der Spannung oder ein Lied, gesungen an den Menschen den man liebt.

Und wieder spürte der Mensch eine Veränderung in seiner Welt. Plötzlich klangen Töne aus den geöffneten Schnäbeln der Vögel über ihm. Ihr zwitschern erklang von überall und vermischte sich mit dem leisen Rauschen des Windes. Dem Menschen war es als würde plötzlich auch das Herz in seiner Brust Farbe annehmen und sich erwärmen. Als würde es bei dem Klang dieser Geräusche, seinen eigenen Rhythmus an das Zwitschern und Klopfen der Vögel anpassen wollen.
Zuletzt trat nun die dritte Gestalt vor.

3.Gestalt: Ich bin die Literatur. Durch mein Talent können andere Welten in Worte gefasst werden. Die Musik, die Kunst, beide können sie durch mich ausgedrückt werden. Und wenn sich jemand nach einem kurzen Ausweg aus der eigenen Welt sehnt, lässt mein Talent diesen Menschen durch Welten wandern. Ein Blick auf die Worte, die ich mit meinem Talent verfasse und du findest dich vielleicht in einer Welt voller Wesen, die du noch nie gesehen hast, oder in einem Land so ganz anders als dieses. Sie lässt dich Abenteuer erleben von denen du dich zu träumen nie gewagt hättest.

In den Augen des Menschen glitzerte die Hoffnung auf das was ihm Literatur erzählte. Kurz warf der Mensch wieder einen Blick zu den zwitschernden bunten Vögeln hoch, doch als er sich wieder zu den drei Gestalten umdrehte, waren sie verschwunden.
Mit einem Lächeln im Gesicht machte der Mensch sich wieder auf den Weg. In Gedanken noch bei diesen anderen Welten von denen Literatur erzählt hatte. Um ihn herum blühten Blumen in tausenden von Farben und der Klang der Vögel hallte in seinen Ohren wider.
Und auf einmal war die Welt des Mensch doch nicht mehr so trist und grau.

Kommentare

  1. Von Enxhi am

    Das beste Drama was ich von einer newcomer Künstlerin gelesen habe! Mit Abstand. Weiter so Vanessa.

  2. Von Sophie Pantli am

    Eine wunderbare berührende Geschichte <3

  3. Von Linda am

    Diese Geschichte spricht mich sehr an. Als Erzieherin kann ich mir das auch als Bilderbuch für Kinder gut vorstellen..

  4. Von Estefania am

    Richtig gut wie die Einzelnen Gestalten zum Ausdruck hervorgekommen sind.

  5. Von Lisa am

    du bist unglaublich begabt, ich liebe deinen Schreibstil!

  6. Von Joanna Avellina am

    Bis auf paar Grammatikfehler sehr gut geschrieben.

  7. Von Dennis am

    Gut aufgebaute Geschichte

  8. Von Barbara am

    In deiner Geschichte erkennt ein im grauen Alltag gefangener Mensch die Schönheit seiner natürlichen Umgebung mit Hilfe von Kunst, Musik und Literatur. Obwohl es ja eigentlich anders herum geht, denn Farbe und Klang der Welt zusammen mit den Sinneswahrnehmungen und der Kreativität der Menschen waren zuerst da und haben die Kunst hervorgebracht. Vielleicht ist unsere Umwelt aber inzwischen so betonbeherrscht, dass wir die drei Gestalten brauchen, um zu erkennen, was es hätte sein sollen. Deine Geschichte hat mich zum Nachdenken gebracht. Schreib weiter!

  9. Von Naomi am

    Eine sehr eindrucksvolle Geschichte. Richtig gut! 🙂

  10. Von Chinelo Robinson am

    Du hast sehr ausergewöhnlich und interessant deine Geschichte verfasst. Ich finde dein Text sehr gut.

  11. Von Ogo am

    Sehr beruhigende geschichte, amazing

  12. Von Martina Schmale am

    Diese Geschichte ist berührend schön geschrieben und erinnert mich daran, dass der Erfinder des Lebens in seiner göttlichen Genialität dafür gesorgt hat, das Kunst, Literatur und Musik für alle eine wunderbare Bereicherung im Leben eines jeden seien können und das der Geber dieser Möglichkeiten noch mehr bereit hält, auch wenn wir es jetzt noch nicht wissen oder verstehen. Herzlichen Dank für dieser inspirierenden Geschichte und Gratulation zu dem so gelungenen Minidrama.

  13. Von Tina Oguzie am

    Sehr gut geschichte

  14. Von Gertrud Ruppert am

    Hat mir sehr gut gefallen.

  15. Von Chiara am

    Die Geschichte ist wirklich inspirierend.
    Die Sternevergabe ist dafür idiotisch: Ich wollte 5 Sterne geben aber das System nimmt sofort das erste ausversehene draufdrücken war. Jetzt sind es ungewollte vier. Es tut mir leid.

  16. Von Thomas Richhardt am

    Liebe Chiara,

    wir haben Dein Votum korrigiert. Jetzt sind es 5 Sterne, die Du für “Die Künstler” vergeben hast!
    Danke fürs Mitmachen und beste Grüße aus dem Theaterhaus

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