Der Verrat
(In der Mitte eines hell belichteten Raumes befindet sich ein großer Tisch, auf dem Utensilien willkürlich nebeneinander gelegt worden sind. Am Tisch steht ein Mann (M) in einem weißen Kittel über einem Mikroskop gebeugt. Schräg gegenüber von ihm blättert ein weiterer Mann (J) frustriert in einem Protokoll.)
J: Hey, weißt du, wieso hier was im Protokoll fehlt? Ich hab es mir schon mehrmals durchgeschaut und es ist einfach weg!
M (abweisend): ..Aha…
J (irritiert): Ich mein’s ernst! Ich kann’s nirgendwo finden!
(M beugt sich plötzlich mit verzogenem Gesicht über das Mikroskop.)
J: Also hörst du mir überhaupt zu?!
M: …Warte kurz…
(J mustert ihn still.)
M (schaut auf, mit zögerlicher Stimme): Ich glaub’, das ist es. Ich glaub’, wir haben es!
J (springt auf): Zeig mal her. (Grinsend) Ha! Wir haben’s wirklich! Wir haben es wirklich geschafft! Verstehst du, was das bedeutet?! Wir werden die Welt verändern! -Ich muss los, davon muss ich den anderen erzählen. Ha!
(J verlässt den Raum.)
M: Oh Mann. Das ist es wohl. Der Durchbruch.
(Stille.)
M: Es ist der Durchbruch! Wir werden die Welt verändern! Die Welt!
(Stille.)
M (entsetzt): Oh Gott. Was haben wir getan? Was haben wir nur getan? (Sinkt zu Boden) Was habe ich getan?
(Stille.)
M: Es kann nicht passieren. Es darf nicht passieren.
(Stille.)
M: A – Aber was soll ich denn tun? Was – was kann ich denn tun? (Steht auf) Es muss weg. Alles muss weg. (Flüsternd) Nein, nein. Das kann ich nicht. Das kann ich doch nicht machen?! Aber was denn sonst? Was denn sonst! Nichts! (Pausiert) Oh Gott. (Atmet tief ein)
(Mit zitternden Händen geht er auf den Tisch zu und entnimmt langsam das Präparat. M schaut sich schnell um und steckt es in seine Tasche. Nun geht er auf die anderen Substanzen und Dokumente zu und packt sie eins nach dem anderen in seine Taschen.)
(Tür geht auf. M stockt und dreht sich mit erschrockener Miene zur Tür.)
J: .. Sag mal, was machst du denn da?