die angst vor der angst.

[5 Personen stehen verteilt auf der Bühne, als wären sie alleine. Nur Person 4 sieht und hört die anderen.]
Person 1:ich habe angst, dass ich etwas falsches sage
Person 2:ich habe angst, dass ich anderen wehtuen könnte
Person 3:ich habe Höhenangst
Person 4:ich habe keine angst.
Person 5:ich habe angst, ich zu sein.
Person 4: was? Wir kann es denn sein, dass ihr mehr angst davor habt, etwas zu tun, als es nicht zu tun?
[Person 1,2,3 und 5 durcheinander, dann einzeln]
Person 1: ja, stell dir mal vor, dass die mich alle auslachen. Siehst du nicht, wie viele blicke auf uns liegen? Nur wartend darauf, dass wir etwas falsches machen.
Person 2: genau. Und nun stelle dir mal vor, jemand fühlte sich von dem, was wir hier tun verletzt. Vielleicht mögen uns die Leute dann gar nicht mehr.
Person 3: das sind ja alles gute Einwände, aber findet ihr nicht auch, dass die Bühne gerade etwas zu weit vom Boden weg ist?
Person 4: aber leute-
Person 5 zu Person 4: natürlich hast du keine angst. Alle mögen dich, so wie du bist, du bist quasi für das Rampenlicht geboren.
Person 1,2,3,5: aber wir nicht.
[alle zurück zu sich selbst.]
[Person 4 versucht unsichtbare wände zu den anderen zu durchbrechen, mit ihnen zu reden, bleibt aber erfolglos.]
Person 4: ist das meine schuld? Heißt das, dass du nie du selbst sein können wirst; du nie wieder auf eine Bühne steigst, du nichts mehr sagst und, dass du für immer daran glaubst, dass du anderen wehtust?
[Person 4 schaut sich nach Reaktionen um]
Person 4: Leute? Leute…? Jetzt… antwortet doch. Bitte?
Ich dachte, wir würden das hier zusammen machen.
Ich kann das nicht alleine.
Ich glaube, ich habe angst!
[die imaginären wände brechen zusammen und alle rennen besorgt zu Person 4]
Person 1: ich dachte du wärst mutig, und hättest keine angst.
Person 2: dabei hattest du genauso viel angst, wie wir.
Person 3: aber du hast dich deiner angst gestellt…
Person 5:…weil du, mit uns zusammen, dieses stück spielen wolltest.
Person 4: es tut mir leid. Ich habe alles ruiniert. Ich hätte mutig bleiben müssen.
Person 2: aber wir dachten auch als zu angst hattest, dass du mutig warst.
Person 3: weil du dich deiner angst gestellt hast.
Person 1: dann fange ich jetzt auch damit an. [wendet sich zum Publikum] unser Mut, ist nichts als die angst, uns von der angst hemmen zu lassen.
Ha, ich habe mich ja gar nicht verhaspelt! Ich habe nichts falsches gesagt.
Person 2: [tritt hervor, nimmt Person 1 an die Hand] das heißt im Grunde, dass mich jede sekundäre angst mutiger macht, als die furchtlosen.
[freut sich]
Person 3: und vielleicht sollte ich mich mit der Überwindung nicht alleine lassen; [nimmt Hand von Person 2] vielleicht ist alles, was ich brauchte, ein bisschen angst vor der angst.
[Person 1,2,3 springen von Bühnenrand]
Person 5 zu Person 4: hey, ich meinte das vorhin nicht so. es tut mir leid.
Person 4: tja. Jetzt sind wir noch übrig, huh?
Dann müssen wir wohl auch unsere angst überwinden.
Person 5: ich weiß nicht, ob das okay ist.
Person 4: ich auch nicht, aber ich wollte es dir ohnehin bald sagen.
3…
Person 5: 2….
Person 4: 1….
Person 4 und Person 5: ich glaube, ich habe mich in dich verliebt!
Person 5: aber dürfen wir das? Wir sind doch beide Frauen…
Person 4: aber dürfen wir das? Wir sind doch beide Menschen, die lieben.
[Person 1,2,3 rennen zurück auf die Bühne]
Person 1,2,3: na klar dürft ihr das! Wir alle dürfen wir selbst sein.
Person 4 und 5: und es sollte uns niemals Mut abverlangen müssen.

(bitte verzeiht die schreckliche rechtschreibung.)

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