Die drei Krankenbetten
Figuren:
Jonas (J)
Karl (K)
Micky (M)
(Die drei betreten die Bühne von rechts, Karl voranlaufend mit den anderen beiden nachtrottend. Karl kommt zum Stehen und dreht sich um.)
K: Kommt schon, jetzt schaut doch nicht so. Wir brechen schließlich nicht ein.
J: Das macht es nicht besser.
M: Eigentlich schon. Einbrechen ist strafbar.
(Jonas wirft Micky einen ernsten Blick zu.)
K: Wir gehen rein, vertreiben uns die Zeit und gehen wieder. Fertig.
J: Menschen kommen hierher, weil es ihnen schlecht geht.
K: Wir doch auch, schließlich ist uns schrecklich langweilig.
M: Es klingt nun doch etwas schlimmer, wenn du es so formulierst.
K: Ihr tut ja so, als hätten wir vor die Intensivstation zu stürmen. Jonas, du erwähntest doch einmal, dass eine Bekannte von dir hier liegt, oder?
(Jonas nickt.)
K: Perfekt, dann haben wir doch auch einen legitimen Grund zur Besuchszeit hier zu sein.
J (zögerlich zustimmend): Vielleicht.
(Jonas entfernt sich vor der Gruppe, um welche herum es dunkel wird)
K: und du?
M: Was meinst du?
K: Du scheinst aus irgendeinem Grund noch unentschlossen zu sein.
M: Ich …
K: Kommst du etwa nicht mit uns mit?
M(kurz zögernd): Doch, doch, natürlich komm ich mit.
(Licht an. Jonas kommt mit drei Armbändern zurück.)
J: Wir haben Glück, dass dieses Krankenhaus drei Besucher zulässt. Hängt die euch sichtbar ums Handgelenk.
(Alle drei hängen sich eins um. Kurzes Schwarzbild. Sie gehen durch einen Flur.)
K: (Zu Micky) Da vorne steht eine Krankenschwester. Frag sie doch nach ihrer Nummer.
M: Was? Nein.
K: Warum nicht? Du findest sie doch sicher hübsch.
M: Trotzdem mache ich das nicht.
K: Komm schon, was soll passieren? Das Schlimmste ist ein Nein.
J: Vielleicht will er einfach nicht.
K: Ich versuche ihm doch nur zu helfen. Los jetzt.
(Micky zögert, Karl gibt ihm einen kleinen Ruck und er geht schließlich.)
J: Musste das wirklich sein?
K: Natürlich. Er traut sich nur nie etwas. Irgendwer muss ihn doch mal aus seiner Komfortzone holen.
J: Oder du lässt ihn selbst entscheiden.
K: Und dann bereut er es später? Nein danke.
(Micky kommt wieder.)
K: Und? Hast du die Nummer?
M: Nein.
K: Warum nicht?
M: Weil sie arbeitet. Und ich sie gar nicht fragen wollte.
(Kurze Stille)
K: Aber versucht hast du’s?
M: Ja.
K: Naja, lasst uns weiter umschauen.
(Licht geht aus. Auf der Bühne jetzt eine Patientenzimmer Tür. Jonas davor, Micky rechts und Karl links von ihm. Licht an.)
K (zu Jonas): Wäre es nicht spannend, wenn du dich in dieses Zimmer hier schleicht?
(Jonas starrt die Zimmer Nummer an.)
J: Nein.
K: Wieso denn das?
M: Karl, ich weiß ja nicht so recht.
K (beachtet Micky nicht): Komm schon, du hast doch nur Angst, dass die Person darin aufwacht.
(Jonas dreht sich zum Publikum, Blick nach unten, Licht nur auf ihn.)
J: Nein… Ich habe doch keine Angst davor, dass sie aufwacht. (Richtet Blick auf) Sondern, dass sie es nicht tut. Doch egal was geschieht, weglaufen macht es nicht besser.
(Dreht sich zur Tür, Licht an.)
K: Ich denke du solltest es tun, du bist doch kein Langweiler.
M(lauter): Karl, er sollte es nicht tun müssen, wenn er nicht will.
K(verdutzt): Warum widersprichst du mir denn jetzt?
M: Was?
(Micky dreht sich zum Publikum, Licht nur auf ihn.)
M(Aufgeregt/entsetzt): Warum ich ihm widerspreche? Warum stimme ich ihm denn immer zu?! Jedes Mal… (nachdenklich) Habe ich je für mich selbst entschieden?
(Steht nun aufrecht und ruhig vor Karl. Licht an.)
M: Ich habe genug damit verbracht, anderen hinterherzulaufen. (zu Karl) Ich gehe.
(Er dreht sich weg. Licht nun nur auf Karl, welcher die beiden noch anschaut.)
K(ruhig): Schon wieder. Immer, wenn ich anders sein will, steht am Ende keiner mehr neben mir. Vielleicht muss ich nicht immer auffallen. Vielleicht reicht es auch, einfach dabei zu sein.
(Karl wendet sich ab. Licht an. Jetzt setzt sich Micky in Bewegung, Jonas öffnet die Tür und Karl bleibt stehen. Die Bühne wird dunkel.)