DU kannst NICHT sterben. WIRKLICH?!

Und dann beginnt der nächste Teil des Tages. Der schwerste. Der mit den Menschen.
Schon bevor ich überhaupt bei ihnen bin, bereitet sich mein Körper vor.
Mein Bauch kribbelt. Aber nicht wie Schmetterlinge. Eher so, als hätte jemand einen Ameisenhaufen darin gebaut.
Ich weiß, was gleich kommt: Gespräche. Blicke. Fragen. Berührungen.
Für andere passiert das einfach. Für mich ist es eine Prüfung.
Also sage ich mir immer denselben Satz:
„Du kannst nicht sterben.“
Es klingt dramatisch. Aber es hilft.
Denn egal, wie viele Menschen gleichzeitig mit mir reden wollen, wie laut alles wird oder wie sehr mein Körper Alarm schlägt: Ich werde daran nicht sterben. Zumindest nicht anatomisch.
[Ankommen]
Die Autotür fällt zu.
Und jetzt … atmen.
Vor mir das Gebäude. Vertraut. Freundlich. Eigentlich schön.
Große Fenster, helle Farben, Stimmen, die nach draußen dringen.
Ich gehe langsam, obwohl ich weiß, dass ich schneller gehen müsste.
Wenn ich zu schnell gehe, stolpere ich. Wenn ich zu langsam bin, spricht mich jemand an.
Beides schlecht.
Mein Körper kennt kein Dazwischen. Ich bin entweder Sprint oder Stillstand.
[Die erste Begegnung]
Eine Frau kommt aus dem Gebäude und winkt.
INNERE STIMME: Sie winkt. Mir? Nein. Doch?
Die Hauptfigur schaut sich um.
Vielleicht meint sie jemanden hinter mir.
Die Frau kommt näher.
Okay. Sie meint mich.
Jetzt lächeln. Nicht zu viel. Nicht zu wenig.
FRAU: Hallo! Schön, dich zu sehen!
INNERE STIMME: Jetzt sagen. Hallo. Einfach Hallo.
HAUPTFIGUR: Hallo…
INNERE STIMME: Gut. Geschafft. Nicht gestorben.
FRAU: Wie geht es dir?
INNERE STIMME: Wie soll ich antworten? „Mein Bauch fühlt sich an wie ein Ameisenhaufen“? Eher nicht.
Die Hauptfigur sucht einen Punkt zum Anschauen. Vielleicht die Nase. Warum sehe ich trotzdem ihre Augen?
FRAU: Wie geht es dir?
INNERE STIMME: Sie hat nochmal gefragt. Irgendwas Normales.
HAUPTFIGUR: Gut. Ich bin nur ein bisschen müde.
Die Frau geht.
INNERE STIMME: Das war eine normale Unterhaltung. Warum fühlte sie sich wie eine Prüfung an?
Moment. Ich habe vergessen zu fragen, wie es ihr geht.
Jemand fragt dich etwas. Du fragst zurück.
Mein Gehirn hat diese Regel gerade verloren.
[Die Umarmungen]
Und dann fängt es an.
Ich nenne es: Die Lawine der Umarmungen.
Menschen kommen auf mich zu. Arme öffnen sich. Ein Lächeln. Ein „Hallo“.
Und ich weiß nie, wohin mit meinen Händen.
Ich habe eine Strategie.
65 Grad.
Nah genug, damit niemand denkt, ich wäre unhöflich. Weit genug, damit ich noch weiß, wo ich bin.
PERSONEN: Schön, dich zu sehen! Wie geht’s dir? Komm her!
INNERE STIMME: Nicht gleichzeitig. Bitte.
Die Stimmen überschneiden sich. Fragen von links. Lachen von rechts. Schritte hinter mir. Parfüm. Berührungen. Blicke.
Alles kommt rein.
HAUPTFIGUR: Schön, dich zu sehen.
INNERE STIMME: Dieser Satz kommt aus meinem Mund. Aber nicht aus mir.
Die Stimmen werden lauter.
Ich kann nicht alles gleichzeitig.
INNERE STIMME: Stopp.
Alle frieren ein.
Ich höre alles.
Andere Menschen haben vielleicht ein Nervensystem mit Filtern.
Bei mir gibt es keinen Filter. Nur Eingang.
Kein Ausgang.
Man muss seine Grenzen kennen und lernen das es OK ist, sie NICHT zu überschreiten
Und ja es ist hart.
Richtig hart.
Jeden Tag in einer Welt zu leben, die nicht für einen gemacht scheint.
Ich fühle mich oft wie ein Versager.
Aber vielleicht stimmt das gar nicht.
Vielleicht bin ich wie ein mutiger Löwe.

( Schaut sich stolz im Spiegel an)
Nicht, weil ich keine Angst habe. Nicht, weil mir alles leichtfällt.
Sondern weil ich jeden Morgen aufstehe, obwohl ich weiß, dass Herausforderungen auf mich warten.
Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben.
Mut bedeutet, es trotzdem zu versuchen.
Und genau das mache ich jeden Tag.

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