Mut beginnt tief im Inneren

Eine Klasse befindet sich auf Projektwoche, sie haben sich in einem Besprechungsraum versammelt und die Lehrkraft steht vorne, bereit, um zu den Schülern zu sprechen.

Lehrkraft: Hallo Klasse, jetzt habt ihr die Chance eure Aktivität für heute Vormittag auszuwählen, zur Auswahl stehen Tanzen oder Fußball. Dazu werde ich jedem einen Zettel austeilen, den ihr in spätestens 15 Minuten abgeben müsst.

Keine Sekunde nachdem sie ihre Ansprache beendet hatte, beginnen alle Klassenmitglieder gleichzeitig zu tuscheln, wodurch eine Art Summen in der Luft liegt.

So ist die Situation auch bei einer der Mädchengruppen:

Marlene (Streicht sich die Haare hinters Ohr): Ich wähle so was von Tanzen, was sonst?
Johanna: Natürlich, alles andere wäre echt cringe.
Josefine (mit einem breiten Grinsen im Gesicht): Eh klar, das wird sowas von funny.

Auch Emilia stimmt den anderen zu und nun warten alle auf eine Reaktion von Franzi, die sichtlich nervös auf ihren Fingernägeln kaut. Während sie einen verzweifelten Blick auf die Uhr wirft, deren Zeiger sich immer näher auf die Abgabezeit zubewegen, herrscht tief in ihrem Inneren ein Kampf.

1.Innere Stimme (selbstbewusst): Komm schon, nimm Fußball, lass die anderen von dir denken, was sie wollen.

2. innere Stimme (selbstzweifelnd): Nimm Tanzen, willst du all deine Freunde verlieren?

2. Innere stimme: Hör auf mich, ich habe Recht, ich weiß das du Tanzen gar nicht ausstehen kannst, lieber würdest du einen Kuhstall ausmisten.

Franzi weiß noch immer nicht, was sie machen soll und ihr Gedankenkarussell dreht sich immer schneller, was von außen nur an der auf dem Boden wippenden Schuhspitze erkennbar ist. Kaum sichtlich bewegt sich Franzis Hand, die den Kugelschreiber fest umklammert, auf das Ankreuzfeld mit Fußball zu. Da meldet sich Emilia plötzlich zu Wort:

Emilia: Welches Mädchen nimmt bitte Fußball, das ist voll die Jungssache, Tanzen ist ja viel besser.

Franzi weiß noch immer nicht, was sie wählen soll, das ist an der noch immer auf den Boden wippenden Schuhspitze sowie ihrem nervösen Zupfen mit Zeigefinger und Daumen an ihren Wimpern erkennbar. Als sie ihren Blick von der an der Wand hängenden Uhr reißt, sieht sie, dass ihre Freundinnen sie leicht genervt vom Warten anstarren.

Johanna (genervt, tippt mit den Fingern für alle ersichtlich auf ihre Armbanduhr): Wird’s bald? Also ich sehe da echt kein Problem, das ist doch nicht so schwer, (eindringlich) wähl wie wir Tanzen!

Kaum merklich bewegt sich Franzis Hand in Richtung des Kästchens für Tanzen. Doch dann passiert plötzlich etwas, das alles verändert.

Josefine (ruft spöttisch): Franzi, willst du etwa Fußball nehmen? Das wäre sowas von dämlich von dir, das gäbe wirklich viel Grund, nicht mehr mit dir befreundet zu sein.

In Franzis Kopf geht etwas vor, das sie nicht ignorieren kann und man kann deutlich erkennen, wie sie die Augen aufreißt und sich an den Kopf fasst, als hätte sie einen Entschluss gefasst.

1. Innere Stimme (aufgebracht, wütend):
JETZT REICHTS! SAG IHNEN DEINE MEINUNG UND NIMM FUSSBALL!

Und das tat Franzi, nachdem sie all ihren Mut zusammengefasst und noch ein letztes Mal tief eingeatmet hatte, mit hoch rotem Kopf und wild gestikulierend.

Franzi: (energisch, wütend): Es reicht! Ich nehme Fußball, weil ich es will und mir Fußball spielen Spaß macht. Fußball kann jeder spielen, der möchte, das ist nicht nur für Jungen. Und wenn euch das nicht passt, dann seid halt nicht mehr meine Freundinnen. Solche gemeinen Freundinnen brauche ich eh nicht, wahre Freundinnen unterstützen einander, egal was man erreichen will.

Daraufhin kreuzt Franzi energisch Fußball an, macht auf dem Absatz kehrt und lässt ihre vermeintlichen Freundinnen mit verwirrten Gesichtsausdruck und offenem Mund zurück, bevor sie etwas antworten können. Schließlich gibt sie ihr Blatt genau rechtzeitig ab, mit einem triumphierenden Lächeln im Gesicht und dem Gefühl, alles goldrichtig gemacht zu haben.

Kommentare

  1. Von Ami am

    Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, besonders toll fand ich, die Überschrift und das sich Franzi getraut hat ihre Meinung zu sagen. Das Konzept mit den Inneren Stimmen hat mir auch gut gefallen.

  2. Von Barbara am

    Die Geschichte macht Mut zur eigenen Meinung. Finde ich einfach toll!!!
    Der Aufbau mit den inneren Stimmen gefällt mir.

  3. Von Isabell am

    Ich fand die Geschichte gut strukturiert und klar verständlich. Die Rolle von Franzi hat mir gut gefallen, da sie beweist, dass man alles erreichen kann wenn man nur an sich selbst glaubt.
    Sehr gute Geschichte!!

  4. Von Rebecca am

    Ich finde diese Geschichte wirklich großartig, denn sie beweist dass man alles erreichen kann was man will. Sie regt zum eigenen Mut und auch zu Selbstvertrauen an. Gut gemacht ✨.

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