Mutausbruch
(Person kniet auf dem Boden, den Kopf gesenkt, sichtlich geknickt)
Stimme aus dem Off (verhöhnend): „Siehst du? Sie alle hassen dich. Du hast es mal wieder versaut. Glückwunsch.
(Person sackt tief in sich zusammen)
Stimme: „Pfft. Lächerlich – dachtest du ernsthaft das klappt?“
(Schaut nervös nach links und rechts, Kopf bleibt gesenkt)
Stimme (betont langsam, gespielt verblüfft – verhöhnend): „Du eine Autorin? Pah, dass ich nicht lache.“
(Person erstarrt)
Stimme: „Wär ich an deiner Stelle (lange ausholend), du, da würd ich mich ja nicht mehr aus dem Haus trauen.“
(Kurze Pause)
Stimme (plötzlich lauter werdend, verurteilend): „Nichts, wirklich gar nichts bringst du zu Ende. Und sowas will sich Schriftstellerin nennen? Was eine verkehrte Welt…“
(Person zeigt keine Regung, bleibt schweigend am Boden)
Stimme (immer lauter werdend): „Sach’ ma, hörst du mich eigentlich? Oder bist du zu inkompetent?“
(Stimme fängt an höhnisch zu lachen – fies)
Stimme: „Tja, wundern tut’s mich bei dir sicherlich nicht. (kurze Pause) Was eine Versagerin du nur bist.“
(Erneut keine Reaktion)
Stimme: „Versagen ist was für Loser wie dich. Kriegen nichts geschissen in ihrem Leben – Anfang ist der erste Schritt zur Besserung, was ein Scheiß.“
„Sie alle haben gelacht – zurecht.“ (äußerst fiese Betonung)
(Person bildet ihre Hände zu Fäusten, verweilt jedoch am Boden)
Stimme (in Sing-Sang Stimme): Versagerin, Versagerin, Versagerin, Versagerin, Versagerin, Versagerin…
(Person schlägt aufgebracht mit ihren Fäusten auf den Boden, blickt wutentbrannt ins Publikum und schreit laut auf
Eindrucksvolle Pause
Person steht zögernd auf, jede Faser ihres Körpers sträubt sich dagegen
Lässt ihren Blick langsam, aber eindrucksvoll übers Publikum schweifen (ihr Gesicht ein Ausdruck purer Rage, langsam sickern all die Antworten auf ihre Fragen ein: „Bin ich genug? Kann ich meine Träume erreichen? Bin ich mehr als die fiesen Stimmen in meinem Kopf?“)
Leises Verständnis tritt über ihr Gesicht)
Person (tief Luft-holend): „Du lügst.“
(Blickt sich im Raum um, ihr Blick schweift an die Decke, an die Seiten – es ist, als würde sie nach einem Unsichtbaren Etwas Ausschau halten)
„Du lügst, du lügst, du lügst, du lügst, du lügst…“ (spricht langsam, als müsse sie es selbst erst noch begreifen, wird mit jedem Mal lauter und selbstsicherer)
Person (schreiend): „Du lügst! In Wahrheit bist du der Loser! Kannst nur dort existieren, wo wir dir Raum geben! Erbärmlich! Halt endlich deine beschissene Klappe und verschwinde aus meinem Kopf!“
„Verschwinde. (endgültig, betont gleichgültig) Verschwinde aus meinem Leben. Ich brauch dich nicht.“
Person (normale Lautstärke): „Nicht mehr. Schon lang nicht mehr.“ (Pause) „Viel zu lang hab ich mich von dir herumkommandieren lassen. Dabei bist du nur ein fieses, verbittertes Etwas, dass meint in meinem Kopf gastieren zu dürfen. Falsch gedacht: Ich hör nicht mehr auf dich. Hörst du?“ (lauter werdend) „Hörst du das? Du bist mir egal – all das Leid – für was?! Ich streiche dich aus meinem Leben. Deine Meinung ist mir scheißegal.“
(Person lacht erleichtert auf)
Person: „Wie schön das Leben doch sein kann. Wie wertvoll es ist. Eins kannst du mir glauben: Ich werde keine Sekunde länger vertrödeln… indem ich auf dich höre. Ich werde meine Träume leben – ohne dich, das mich zurückhält.“ (Pause) „Wenn ich schreiben will, dann werd ich das. Es gibt nichts, was mich zurückhält. Ich bin endlich frei.“
(Person blickt erneut gezielt ins Publikum, spricht mit fester Stimme)
„Findet euren Mut. Er ist der erste Schritt zu eurer Freiheit. Kämpft für eure Werte, steht für euch ein. Nur so lebt man wirklich.“