Sprechen, wenn alle zu schweigen scheinen

Kribbeln, ein Ziehen, ein Zittern an den Fingern. Es wird nicht gut, nein, es kann nicht gut werden, nichts wird gut. Zu viel kann schiefgehen, zu viel kann passieren, klappen kann es nicht. Es ist zum Verurteilen geboren, die Quelle des Übels und die Frucht der Fehler die ich begangen habe. Ich habe keinen Moment daran geglaubt, das Ziehen ist zu stark, das Kribbeln zu heftig und durch das Zittern gibt es keinen klaren Gedanken in diesem Kopf. Wir wurden dazu verurteilt. Nichts hat je gestimmt, nichts saß je am richtigen Platz, da war immer so eine falsche Lücke. Die Lücke, die das Glück und mich schon immer gespaltet hat, der Abgrund, der mich vor meinen Erfolgen beschützt. Denn es kann nicht gut werden. Es wird nicht gut. Warum sollte es auch? Wir sind zum Scheitern verurteilt. Und auch wenn da diese Hand ist, die an einem hängt und zerrt und zerrt und zerrt, du weißt, dass auch sie Angst hat.

Doch irgendwo in den Tiefen des Selbstzweifels ist dieses Licht. Was am Anfang vielleicht wie ein kleiner Funken, eingepackt in Naivität, aussah, verwandelt sich in das Feuerzeug, mit dem ich meine Schatten anzünden kann. Ein Splitter, der davor die Schärfe eines Dolches trug, entwickelt sich in das Holz, mit dem ich die Brücke über meinem Abgrund bauen werde. Es wird nicht gut, es kann nicht gut werden, wenn ich die ganze Zeit an dem klammere, was früher einmal Sicherheit bedeutet hat. Das Zittern, das Kribbeln, diese Angst wird nie verschwinden, wenn ich die Hände, die sich mit dem Dimmen der Hoffnung vollgesaugt haben, nicht loslassen kann. Wer bin ich, wenn ich mich von den Dingen festhalten lasse, die gar nicht mehr da sind? Wer war ich, dass ich es so weit habe kommen lassen? Wer will ich sein, in dieser Hülle einer schönen Welt?

In diesem Moment hat nichts davon eine Bedeutung. In diesem Moment gibt es nur mich, ich, und diese Wege, die ich nehmen kann. Eine Kreuzung vor mir, eine Kreuzung in mir, eine Entscheidung, die alles verändern kann. Und ich werde den richtigen Weg gehen. Er wird nicht einfach, härter als der Komfort meiner Angst, der Komfort meines Kopfes, doch wenn ich jetzt still bleibe, hilft auch meine Sicherheit nicht mehr.

Plötzlich greifen mich die Hände derer, die in den Abgrund gefallen sind und ihn aus der Tiefe erklommen hatten. Schritt für Schritt. Stein für Stein. Meter für Meter. Sie waren der Grundbaustein für das Gefühl einer momentanen Sicherheit. Sie waren die Möglichkeit, von Anfang an eine Entscheidung treffen zu können und sie errichteten diese Kreuzung, in der Hoffnung das die richtigen Menschen den richtigen Weg gehen. Und plötzlich möchte ich einer von ihnen sein. Eine Brücke, eine haltende Hand oder ein Funken in der Dunkelheit derer, die mit mir vor dieser Klippe stehen.

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