Zweigeteilt

Figuren
HENRIK 17, Autor. Ruhig, beobachtend. Wenige Reaktionen.
ZENO 17, Zeichner. Leicht, enthusiastisch. Nutzt Hände um Gesagtes zu unterstützen.

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Szene
Ein kleines, unaufgeräumtes Zimmer. Ein Bett mit einer orangen Decke in der Mitte — der einzige warme Lichtpunkt auf der sonst dunklen Bühne. Auf dem Boden liegen Skizzenblätter und ein aufgeschlagenes Notizbuch. Zwei Jugendliche liegen nebeneinander auf dem Bett, nicht zu nah, nicht zu weit.
ZENO hält sein Handy hoch und scrollt aufgeregt. HENRIK starrt an die Decke.
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ZENO (liest vor)
218 Exemplare in einem Monat. So gut hat sich die Schülerzeitung lang nicht mehr verkauft. Und die Reviews feiern unseren Manga!
– Keine Reaktion von HENRIK.
ZENO (dreht den Kopf zu HENRIK)
Hörst du mir überhaupt zu?
HENRIK
Ja.
ZENO
Was hab ich denn gesagt?
HENRIK
Zwei-hunder-tacht-zehn.
ZENO
218 was?
HENRIK
Schülerzeitungen mit dem besten Manga drin.
– ZENO lacht kurz.
ZENO (in Erinnerungen schwelgend)
Weißt du noch, wie wir angefangen haben? Du hast einfach diesen Text auf meinen Tisch geknallt. Ohne was zu sagen. Nur hingelegt.
HENRIK
Dann hast du einfach gezeichnet. Ohne zu fragen.
ZENO
Natürlich! Ich war so inspiriert und wurde einfach mitgerissen von der Emotion und Tiefgründigkeit. So kannte ich dich gar nicht. Das war wirklich wunderschön von dir.
– HENRIK dreht den Kopf. Sieht ZENO an. Sieht weg.
ZENO
Ey, du wirst rot.
HENRIK
Du aber auch.
– Längere Pause. HENRIK atmet tief ein.
HENRIK
Kann ich dir was sagen?
ZENO (ohne aufzublicken)
Na klar.
– HENRIK setzt sich auf. Jetzt am Rand des Bettes, mit dem Rücken zu ZENO. Lange Pause.
HENRIK
Ich mag dich.
– Stille.
ZENO
Ow. Ich mag dich auch voll. Wir zwei Künstler gegen alle anderen auf der Welt. Las uns immer zusammen… arbeiten.
– ZENO berührt HENRIKs Schulter. Pause. HENRIK dreht sich nicht um.
HENRIK (leiser)
Nein. Ich mein… ich mag mag dich.
– Stille.
ZENO (sehr leise)
Oh.
– Totenstille.
ZENO (als wäre nichts passiert)
Ich finde es cool, dass du sowas mit mir teilen kannst.
– Er setzt sich auf. Steht auf. Geht zur Seite des Zimmers, beginnt ruhig seine Jacke zu nehmen.
HENRIK
– Dreht sich um, bleibt sitzen. Sagt nichts. Sieht zu.
ZENO
Wir sehen uns dann nächste Woche in der Schule, ja?
– Er geht zur Tür. Legt die Hand auf den Türknauf.
HENRIK (kaum hörbar)
Ja.
– ZENO öffnet die Tür. Tritt hinaus. Die Bühne wird dunkler. Die Szene innerhalb des Zimmers ist wie eingefroren, während das Licht sich abdunkelt.
– Von draußen lehnt ZENO gegen die geschlossene Tür. Er hebt die Faust langsam. Eine einzelne, stille YES-Geste.
– Dann geht er.
Dunkelheit.

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