Mut fängt dort an, wo Freundschaft entsteht

Es ist eine ganz normale Pause in einer Schulklasse. Noch ahnt niemand, was später alles Veränderndes geschehen wird. Vorne, in der ersten Reihe sitzt Jan, sein Gesicht wird durch die Kapuze seines Hoodies verborgen und es sieht so aus, als würde er ein Buch lesen. Dann kommt eine Gruppe Jungen und eine Gruppe Mädchen auf ihn zu.

Gruppe Mädchen(spöttisch): Da ist ja das kleine Muttersöhnchen Jan. Dieser Streber liest anscheinend wieder mal.

Jan tut so, als würde er sie nicht hören, aber das Beißen an seinen Fingernägeln macht für alle ersichtlich, dass er sehr wohl etwas mitbekommt. Einer der Jungen kommt auf ihn zu und reißt ihm das Buch mit einem hämischen Grinsen gewaltvoll aus der Hand. Junge: Was liest du da? Achso Peter Pan, träumst du Schwachkopf davon ein Elf zu sein?

Sowie die Mädchengruppe, als auch die Jungengruppe beginnt boshaft zu lachen. Jetzt bekommt auch der zuvor in seine Musik vertiefte Jakob mit, was passiert war, und ihm wird ganz unwohl und er beginnt nervös auf seinem Stuhl herumzurutschen. Eigentlich war es wie jeden anderen Tag auch, denn das war leider kein Einzelfall, doch heute regte sich etwas in Jakob.

Innere Stimme (bestimmt): Jan sieht doch echt sympathisch aus, ich weiß das du ihn eigentlich ganz nett findest. Die anderen sind echt gemein, geh doch zu ihnen hin, sag etwas, verteidige ihn!

Doch Jakob ist sich noch nicht sicher, außerdem weiß er nicht, was er sagen sollte, wenn er sich für ihn einsetzen wollen würde. Doch er beschließt, wachsam zu sein, falls etwas Schlimmeres passieren sollte und richtet seinen Blick unauffällig auf Jakob. Jetzt löst sich ein Mädchen aus der Traube an Mädchen, nimmt dem Jungen, der Jan zuvor sein Buch weggenommen hat, das Buch weg und hält es Jan hin. Dieser rechnet damit, dass sie ihm das Buch zurückgeben will, doch als er gerade hingreifen will, zieht das Mädchen ihre Hand mit dem Buch schnell weg und wirft es mit einem gezielten Wurf in den Mistkübel. Daraufhin beginnt die ganze Gruppe zu lachen.

Jan (unsicher): Hey, lasst das.

Mädchen (kichernd): Haha, dachtest wohl, ich würde dir helfen. Echt zu witzig, dass du denkst, dass dir jemand helfen will.

Das geht für Jakob definitiv zu weit und in ihm regt sich eine innere Stimme, während er beginnt, mit einem Finger nervös auf den Tisch zu trommeln.

Innere Stimme (wütend): Es reicht! Du holst jetzt das Buch aus dem Mistkübel, gibst es ihm, sagst ihnen deine Meinung und dann redest du mit Jan, ich weiß das du ihn mochtest, als ihr gemeinsam ein Referat halten musstet. Vielleicht werdet ihr dann ja Freunde.

Jan holt mit entschlossenen Schritten und einem konzentrierten Blick das Buch aus dem Mülleimer, gibt es Jan zurück und stellt sich dann schützend zwischen ihm und die Anderen.

Jakob(entschlossen, feste Stimme): Ihr hört sofort damit auf! Das ist nicht witzig und er hat euch nichts getan! Ich weiß das ihr das nur macht, weil ihr selber nicht so schlau seid wie er. Und glaubt nicht, dass ihr das morgen wieder machen könnt, das lasse ich nicht zu!

Verwirrt treten die Jungen und Mädchen zurück, aber nicht, bevor sie noch einmal einen kritisierenden Blick auf die beiden Jungen geworfen hatten. Sie brachten keine Worte mehr hervor, da sie es nicht gewohnt waren, dass sich jemand für Jan einsetzte und begaben sich in den hinteren Teil der Klasse.

Jan: Danke Jakob, das war echt nett von dir, es hat sich noch nie jemand für mich eingesetzt, das war echt mutig von dir. Jakob(durch das Lob sichtlich im Gesicht errötet): Ach, keine Ursache, weißt du, ich finde dich eigentlich ziemlich sympathisch und Freunde verteidigt man einfach, egal was passiert.

Jan strahlt nach dieser unscheinbaren Freundschaftsanfrage übers ganze Gesicht und ab der folgenden Stunde sitzen die beiden im Unterricht nebeneinander und treffen sich auch privat.

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